FC Seon

Den eigentlichen Grund für den Eintritt in den FC Seon kenne ich nicht mehr. Viele Kinder machen ja Sport. In Seon, meinem ehemaligen Wohnort, gibt es nach wie vor ein vielseitiges Angebot. "Klein-Frédéric" machte vieles: Judo, Fussball, Skifahren, Tennis und Minivolleyball. Fussball spielte ich, weil mein Bruder im FC Seon war. Später spielte ich mit vielen Freunden zusammen Fussball. Es war ein Zeitvertreib mit meinen Kollegen.

FC Aarau

Wieder war mein Bruder der Grund, weshalb ich zum FC Aarau ging. Sonntags "musste" ich mit meinen Eltern seine Spiele besuchen. Er schwärmte, wie toll es doch sei, Fussballmatches gegen stärkere Gegner zu spielen. "Das will ich auch erleben", sagte ich mir. Und es war so, wie ich es mir erhofft hatte. In Aarau zu spielen war im Vergleich zu Seon nicht besser oder schlechter, es war einfach anders. Die Gegner waren plötzlich viel stärker als ich. Ich musste mich verbessern, um mithalten zu können. Der Ehrgeiz packte mich.

Jugendspieler

Das Ziel des Trainers war die individuelle wie die mannschaftliche Verbesserung, damit wir Spieler den Sprung in die 1. Mannschaft einmal schaffen würden. Ich sah dies zu Beginn nicht so eng und setzte mich nicht gross mit der 1. Mannschaft auseinander. Mein Ziel: Ich wollte einfach gut Fussball spielen und mich verbessern. Eine weitere Möglichkeit dazu bekam ich beim Blue Star-Turnier in Zürich, welches ich mit GC Zürich spielen und gewinnen konnte. Rückblickend muss ich sagen, dass ich in den fünf Jahren unter Ryszard Komornicky die Basiskenntnisse erwarb, wie man Fussball spielt.

Der Schritt zum Profi

Ich spielte im Nachwuchsteam und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet, Profi zu werden. Einmal wurde ich ins Büro des Technischen Leiters, Fredy Strasser, gerufen. Er verkündete mir die Neuigkeit: Ab nächster Saison gehörst du zum Nationalliga-A-Kader (Lizenzmannschaft). Bis dahin hatte ich noch keinen Vertrag gehabt. Nun schlossen wir einen solchen ab. Hinzu kam ein kombinierter Lehrvertrag: KV-Lehre und Fussball. Plötzlich war ich dabei und das mit 16 Jahren! Für mich ist das noch heute unglaublich.

Noch spielte ich nicht, hatte aber im Training die Chance, mich an den Rhythmus der Profis zu gewöhnen. Mit der Zeit kamen die ersten Einsätze. Doch Stammspieler war ich noch lange nicht. Ich erinnere mich noch an meinen ersten längeren Einsatz im Spiel gegen GC, die damalige Champions-League-Mannschaft. Uih, das war vielleicht ein Spiel! Ich wurde zwar in der Halbzeit ausgewechselt, doch in diesen ersten 45 Minuten hatte ich mehr gelernt als in jedem späteren Spiel bei Aarau. Ich stellte fest: Bezüglich Rhythmus und Schnelligkeit ist ein Training noch lange nicht dasselbe wie ein Spiel. Und: Ein Spiel sieht nur im Fernsehen und von aussen einfach aus.

Brügglifeld
Foto von Stefan Beck - an dieser Stelle ein grosses Dankeschön!


Profi

Im Laufe der Zeit setzte ich mich durch und wurde Stammspieler beim FC Aarau. Damit kamen auch meine ersten Probleme. Ich war jung und konnte meinen Mund nicht halten. Ich war mich auch nicht gewohnt, das zu tun. Ich hatte in den Jugendmannschaften immer viel zu sagen gehabt und das Kommando übernommen. Jetzt geriet ich immer wieder in Konflikte mit den verschiedenen Trainern und Führungsspielern. Folge war, dass ich ab und zu auf die Bank musste, und das passte mir natürlich gar nicht. Hinzu kam dann auch noch die Rekrutenschule. Meine Zeit im Militär musste ich erledigen, ganz klar. Aber es kam sehr ungelegen. Doch ich hatte Glück; ich wurde in eine Spitzensportlergruppe eingeteilt. Dies erlaubte mir zu trainieren und den Militäralltag ein bisschen zu umgehen.

Zurück zu Aarau: Sportlich gesehen waren wir eigentlich immer sehr gut. Das verkennen leider immer wieder viele Leute. Aarau hatte verglichen mit anderen Klubs ein Mini-Budget von 2 bis 2,2 Mio. Euro zur Verfügung, um sich in der 1. Liga zu behaupten. Da ist es keine schlechte Leistung, wenn man nie absteigt. Dabei darf man nicht vergessen, dass Aarau ein Ausbildungsverein ist. Meistens gehören vier bis sechs eigene Nachwuchsspieler zum Stamm, fünf bis zehn zum Kader. Das finde ich bemerkenswert. Für mich war es eine erfolgreiche Zeit. Ich habe viel gelernt. Vor allem lernte ich mit dem Druck umzugehen, denn ich hatte mich als Stamm- und Führungsspieler damit auseinanderzusetzen. Dies brachte mich nicht nur fussballerisch, sondern auch mental weiter.

Die Zeit beim FC Aarau war in gewisser Hinsicht meine Lehrzeit im Fussballgeschäft. Dazu gehörte auch ein Ereignis, welches nur eine Woche dauerte. Meine Suspendierung durch Trainer Rolf Fringer! Es war ein Tiefschlag, wie ich ihn niemandem wünsche. Es ist sehr hart, wenn einem nach zwölf Jahren im Klub so etwas widerfährt. Im Nachhinein aber sieht man auch Positives. Der vorübergehende Rauswurf hat mich persönlich weiter gebracht. Ich habe begonnen, vieles mit anderen Augen zu betrachten, vieles ruhiger hinzunehmen. Ich habe gelernt, vieles sachlicher zu sehen und nicht alles persönlich zu nehmen. Das war sozusagen der letzte Schliff, den ich noch brauchte, um bereit zu sein für ein Abenteuer: Meinen Wechsel ins Ausland.

Der FC Aarau wird für mich immer "mein" Klub sein. Er hat es mir ermöglicht, mir meinen Traum zu verwirklichen. Es war ein holpriger Weg, bei dem die vielen schönen, erfolgreichen Erlebnisse in Überzahl waren. Manchmal war ich leichtfüssig unterwegs, manchmal eher etwas schleppend. Doch ich weiss, ich werde immer als FCA-Kind meine Schritte durch die spannende, lehrreiche Fussballwelt machen. Neues sehen, dazu lernen und daran wachsen. Darauf bin ich stolz.

FCA-Fans
Foto von Stefan Beck




Spiele Tore
211 9