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1. FC Union Berlin
Eigentlich kannte ich Union Berlin, genannt die "Eisernen", überhaupt nicht, bevor ich bei
diesem Klub ein Probetraining absolvierte. Ich sah den Transfer vom FC Aarau zu Union aber als eine grosse
Chance, mich in einem anderen Verein und in einer anderen Liga zu profilieren.
Und ich wollte mich im Kreis der 2. Bundesliga sportlich weiter entwickeln.
Ich betrachtete den Wechsel nach Berlin durchaus als Abenteuer, das ich unbedingt eingehen wollte,
um zu sehen, wo meine Grenzen liegen. Ich gebe zu: Auch die Metropole Berlin reizte mich, ich wollte
erfahren, wie das Leben dort so tickt.
So reiste ich mit Freude, aber gewiss auch mit einiger Nervosität, nach Berlin. Ich hatte ja keine
Ahnung, was mich dort erwartete, denn es war mein erster Transfer als Profifussballer. Hier sollte ich
dann bald richtig verstehen lernen, was Integration und Rückhalt in einer Familie bedeutet.
Ich nahm alles, wie es kam, ohne mir grosse Gedanken zu machen; auch nicht darüber, dass ich ein
unbekannter "kleiner Schweizer" war, dem man keine Beachtung schenkte.
Ich war ein "Nichts" und musste mich erst einmal beweisen. Das störte mich aber nicht.
Ja, ich war in manchen Situationen sogar froh, dass ich mich aufs Wesentliche konzentrieren konnte:
Fit werden, mich integrieren und gut fussballspielen!
Der Meisterschaftsstart war der Hammer. Ich erhielt im ersten Heimspiel die Rote Karte und wurde
im ersten Spiel nach abgelaufener Sperre - es war wieder ein Heimspiel - nach 34 Minuten ausgewechselt.
Schlechter hätte ich an meinem neuen Arbeitsort wahrlich nicht starten können.
Ich hatte aber Glück im Unglück, denn es verletzte sich ein Verteidiger und ich bekam eine zweite
Chance. Diese nützte ich und es gelang mir, mich bis zum Schluss in der Stammmannschaft festzubeissen.
Ich spielte in jeder Partie, und es kam bald eine neue Herausforderung: Die Presse! Es ist eindrücklich,
was in der Berliner Medienszene abgeht. Der Umgang mit ihr war sehr schwierig, da es im Verein drunter und drüber ging.
Der Präsident wurde abgesetzt, der Trainer und wir Spieler standen durch die sportliche Situation unter
Dauerbeschuss. Ich suchte Ablenkung, indem ich die Stadt mit ihren Wahrzeichen als Tourist besuchte oder ins Kino ging, einkaufte oder mich im "Starbucks" aufhielt.
Wir spielten vom Saisonbeginn weg gegen den Abstieg. Dies war mental alles andere als einfach.
In der Rückrunde wurde Trainer Mirko Votava gefeuert. Viele hatten das schon früher erwartet.
Zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft war die Entlassung von Votava aber eine Überraschung für
alle. Doch der Versuch, mit dem neuen Trainer Aleksandar Ristic die Liga zu erhalten, gelang nicht.
So wurde mein schlimmstes sportliches Erlebnis besiegelt: Der Abstieg in die Regionalliga.
Das tat und tut immer noch weh. Mir tun auch die überragenden Fans von Union leid.
Wenn man über Union spricht, dann spricht man über das "Stadion an der alten
Försterei" mit seiner legendären Toranzeige. Man spricht über renovierbedürftige
Kabinentrakte, über das Warmmachen auf dem Nebenplatz, über die Geschichte des Vereins und vor
allem über seine Fans.
Diese sind unglaublich, aber man muss sie schon selbst erlebt haben, um zu glauben, was sich da abspielt.
Zwei Erlebnisse werde ich nie vergessen: Als ich im Spiel gegen Cottbus das erste Mal an der alten
Försterei einlief, Tausende von "Unionern" die "Unionerhymne" sangen, da glaubte
ich, mein Herz rutsche mir in die Hose. Meine Knie waren ebenfalls ganz weich.
Das zweite Erlebnis war das Pokalspiel gegen Leverkusen. Wir verloren zwar 0:5, aber die Fans sangen,
als hätten wir die Meisterschaft gewonnen. Einfach nur Weltklasse!
Diese Zeit liegt jetzt leider hinter mir, aber ein Teil meines Herzens wird immer "eisern" bleiben.
Nicht nur wegen der Taufe durch die Fans, sondern auch deshalb, weil Union mein erster Verein war, zu dem
ich wechselte und weil ich mich bei Union wie zu Hause fühlte. Danke Union und danke den Fans für
alles!
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